Grundwissen über Lipödem

 

Das Lipödem. Eine unterschätzte Volkskrankheit?

 

Fast 10% der Frauen in Deutschland haben ein Lipödem, trotzdem erhalten rund 70% dieser Patientinnen keine adäquate Diagnostik und wissen teilweise noch nicht einmal, dass sie krank sind. Der Grund dafür ist die weit verbreitete Unkenntnis von Ärzten und Therapeuten, die ein Lipödem nicht richtig diagnostizieren und mit Venenleiden oder Adipositas verwechseln.

Die Ursache des Lipödems ist bisher unbekannt. Eine genetische Komponente wird angenommen aufgrund von positiven Familienanamnesen und vielen betroffenen Familienmitgliedern. Eine hormonelle Komponente wird ebenfalls vermutet aufgrund der fast ausschließlich weiblichen Patientinnen und einem Ausbruch der Krankheit bzw. Fortschreiten in den Phasen des hormonellen Umschwungs (Pubertät, Schwangerschaft, Pille, Menopause). Charakteristisch ist, dass sich die erkrankten Fettzellen nicht durch Sport oder Ernährungsmaßnahmen beeinflussen lassen.

Eine fehlende Transportfähigkeit der Lymphgefäße führt sekundär zu einem Stau an lipid-und proteinreichen Substanzen rund um die Fettzellen. Da der Abtransport nicht gewährleistet ist kommt es zu einer vermehrten Ansammlung ebenfalls in den Fettzellen.

Sekundär entwickeln sich in höheren Stadien ein chronisches Lymphödem und eine Verhärtung der Fettzellen. Wenn das Lipödem nicht behandelt wird, tritt der Zustand des therapieresistenten chronischen Lipolymphödems nach ca 15-20 Jahren ein. Die charakteristische Fettverteilungsstörung zeigt sich vor allem an den Extremitäten. Typisch ist auch, dass Hände und Füße schlank sind (negatives Stemmer Zeichen), im Gegensatz zum Lymphödem (positives Stemmer Zeichen). Dies kann man selbst einfach testen, indem man versucht eine Falte zu bilden mit den Fingern an dem 2.Zeh. Wenn es nicht möglich ist, liegt wahrscheinlich kein Lipödem, sondern ein Lymphödem oder eine Mischform vor. (Bildquelle Ofa Bamberg)

Im Volksmund wurde es auch häufig als sogenanntes „Säulenbein“ bezeichnet, da die Beine säulenförmig aussehen und aufgrund der verstrichenen Konturen über den Gelenken.

Weiter kennzeichnend für ein Lipödem ist die Gefäßfragilität, die sich durch ein leichtes Auftreten von Hämatomen bei inadäquatem Druck oder Berührung der Extremitäten ergeben. Desweiteren klagen die Patientinnen meist über Ruheschmerzen in den Beinen, vor allem nach längerer Belastung. Die ästhetische Beeinträchtigung aufgrund der Cellulite („Matratzenphänomen“) führt häufig zu depressiven Erkrankungen aufgrund der teils massiven Einschränkung im Alltag und durch eine fehlende Kenntnis dieser Erkrankung in der Gesellschaft.

Die Einteilung erfolgt nach Morphologie in mehrere Stadien. Stadium 1 ist gekennzeichnet durch glatte Hautoberfläche mit gleichmäßig verdickter, homogen imponierender Subkutis. In Stadium 2 zeigt sich eine uneben, überwiegend wellenartige Hautoberfläche, knotenartige Strukturen im verdickten Subkutanbereich und in Stadium 3 zeigt sich eine ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen (Wammenbildung) an Armen und Beinen.

Des Weiteren unterscheidet man (nach Herpertz) in 6 verschiedene Typen: Oberschenkel-Typ, Unterschenkeltyp, Ganzbeintyp, Oberarmtyp, Unterarmtyp oder Ganzarmtyp. Das Lipödem kann sich auf den gesamten Körper ausbreiten und an jeder der Extremitäten manifestieren. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist dabei die Adipositas, weshalb der BMI ein wichtiges Kriterium spielt bei der Diagnostik. Selbstverständlich treten auch in höheren Verlauf Mischformen von Lipödem, Lymphödem und Adipositas auf.

Das wohl wichtigste Unterscheidungskriterium zur Adipositas ist die Schmerzhaftigkeit dieser Krankheit. Es ist nicht einfach nur ein ästhetisches Problem unter dem die Betroffenen leiden, sondern bereitet vor allem mit sommerlichen Temperaturen zunehmend Schmerzen und Spannungsgefühle.

Wollt Sie mehr erfahren? Am Klinikum Rechts der Isar findet am 26.05. zu diesen Themen Lipödem/Lymphödem ein kostenloser Informationstag statt bei dem auch auf die Möglichkeiten der Kostenübernahme durch Krankenkassen, rechtlichen Einspruchsmöglichkeiten und Therapiemaßahmen sowie aktuelle Forschung hingewiesen wird.

 

Bei Interesse können Sie sich sehr gerne an mich persönlich wenden. Ich bin die Organisatorin des Symposiums und werde auch selbst einen Vortrag halten. Sie sind herzlich dazu eingeladen vorbei zu kommen und sich zu informieren.

 

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