Forschungsprojekt 2

Neue Erkenntnisse zum Lipödem - eine retrospektive postoperative Datenanalyse von 209 Patientinnen mit Lipödem

Bauer A.T. et al.,

Plastic and Reconstructive Surgery 2019:  "New insights on lipedema – the enigmatic disease of the peripheral fat"

Zielsetzung:

Das Lipödem ist durch lokalisierte Fettgewebsvermehrung und Ödeme der Extremitäten gekennzeichnet, die typischerweise nicht auf Ernährungsregime oder körperliche Aktivität reagiert. Obwohl die Krankheit gut beschrieben ist und eine große Anzahl von Frauen weltweit betroffen ist, ist wenig über ihre Ätiopathogenese bekannt.

Methodik:

Wir haben einen Online-Befragungs-Fragebogen für Lipödem-Patienten in Deutschland entwickelt. Die Befragung wurde an 209 Patientinnen durchgeführt, bei denen Lipödem diagnostiziert worden war und sich einer Tumeszenz-Liposuktion unterzog.

Ergebnisse:

Die meisten Teilnehmer (Durchschnittsalter 38,5 Jahre) hatten im Alter von 16 Jahren eine erste Manifestation der Erkrankung bemerkt. Die Diagnose dauerte insgesamt 15 Jahre. Die Fettabsaugung führte zu einer signifikanten Verringerung von Schmerzen, Schwellungen, Zärtlichkeit und leichtem Bluterguss, wie die Mehrheit der Patienten bestätigt. Hypothyreose (35,9%, n=75) und Depressionen (23,0%, n=48) ereigneten sich in einer Häufigkeit, die weit über die durchschnittliche Prävalenz in der deutschen Bevölkerung hinausgeht. Besonders gering war bei den Befragten die Prävalenz von Diabetes Typ I (1,4%, n=3) und Diabetes Typ II (1%, n=2). Etwa 22,5% (n=47) der Lipödem-Patienten litten an einer diagnostizierten Migräne. Nach der Fettabsaugung wurde die Häufigkeit und die Intensität von Migräneattacken deutlich reduziert, wie es 68,1% (n=32) genannt.

Schlussfolgerung:

Die Lebensqualität steigt nach der Operation deutlich an, mit einer Verringerung von Schmerzen und Schwellungen und einer verminderten Neigung zu leichten Blutergüssen. Die hohe Prävalenz von Hypothyreose bei Lipödem-Patienten könnte mit der häufig beobachteten Lipödem-assoziierten Adipositas zusammenhängen. Die geringe Prävalenz von Diabetes, Dyslipidämie und Bluthochdruck scheint ein spezifisches Merkmal zu sein, das Lipödem vom metabolischen Syndrom unterscheidet.